Wo Sprache neue Räume findet
In den 50er Jahren wurde in der Königsberger Straße 2a Wäsche gewaschen – heute dreht sich hier alles um Sprache und Worte. Im Herbst 2025 ist die Logopädin Carola Körner in ein historisches Waschhaus in der Böcklersiedlung gezogen. Noch ist nicht alles fertig, doch man spürt schon jetzt, dass hier ein ganz besonderer Ort entsteht.
Wo Sprache neue Räume findet
In den 50er Jahren wurde in der Königsberger Straße 2a Wäsche gewaschen – heute dreht sich hier alles um Sprache und Worte. Im Herbst 2025 ist die Logopädin Carola Körner in ein historisches Waschhaus in der Böcklersiedlung gezogen. Noch ist nicht alles fertig, doch man spürt schon jetzt, dass hier ein ganz besonderer Ort entsteht.
Bei dem Wort Logopädie denken viele Menschen zuerst an Kinder, die lispeln oder stottern. Dabei wird diese Therapieform bei einer Vielzahl von Erkrankungen und über alle Altersgruppen hinweg eingesetzt. „Jeder Mensch fängt an zu kommunizieren, wenn er auf die Welt kommt, und hört erst damit auf, wenn er wieder geht“, bringt Carola Körner es auf den Punkt. Die 56-Jährige hilft mit ihrem neunköpfigen Team Kindern mit Ausspracheschwierigkeiten, etwa mit bildhaften Erklärungen: „Das ‚K‘ entspricht dem Geräusch eines klopfenden Hammers, das ,T‘ ist eher ein Wassertropfen-Geräusch. So lernen auch kleine Kinder, ähnliche Laute zu unterscheiden.“ Sie unterstützt aber auch Demenzpatienten dabei, schwindende Wörter im Bewusstsein zu halten, und begleitet Menschen nach einem Schlaganfall.
Vom Großflecken-Trubel in die Stille
Bisher arbeitete sie mit ihrem Team in einer Praxisgemeinschaft am Großflecken. Doch die laute Innenstadt war langfristig keine ideale Umgebung für sensible Therapiearbeit. Da kam das WOBAU-Inserat gerade recht, auch wenn die Räume im alten Waschhaus anfangs noch viel Vorstellungskraft erforderten. Zuvor war dort eine Kita untergebracht, die vieles baulich improvisiert hatte. „Ich bin hereingekommen und dachte: Oha!“, erinnert sich Carola Körner. „Aber ich habe schnell gemerkt: Das ist doch eigentlich traumhaft!“ Die WOBAU renovierte in Rekordzeit, und heute schafft die Mischung aus 50er-Jahre-Stil und einem Hauch Bullerbü eine einladende Atmosphäre. „Mir ist wichtig, dass sich die Patientinnen und Patienten hier wie zu Hause fühlen", so Körner.
Das Herzstück ist ein großes Behandlungszimmer mit Tisch, Teppich, Bällebad und vielen Spielen. Daneben gibt es ein gemütliches Besprechungszimmer und einen dritten Raum, der bewusst reizarm gestaltet ist. Denn Carola Körner hat sich als eine der wenigen Logopädinnen der Region auf Kinder im Autismus-Spektrum spezialisiert. „Viele von ihnen sprechen kaum oder gar nicht und nehmen ihre Umgebung oft viel intensiver wahr als andere. Zu viele Eindrücke auf einmal können sie überwältigen.“
Ein Zentrum der Kommunikation
Langfristig träumt sie von einem interdisziplinären Autismuszentrum, in dem Therapeutinnen und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten. Zunächst möchte sie jedoch den brachliegenden Vorgarten umgestalten: mit Sandkiste, Barfußpfad, Nestschaukel und Obstbüschen. Wasser soll dabei eine besondere Rolle spielen, da viele autistische Kinder darüber einen spielerischen Zugang zur Interaktion finden. Sie wünscht sich auch, dass Nachbarinnen und Nachbarn einfach mal vorbeischauen. „Es wäre ein Traum, wenn das hier eine Anlaufstelle wäre, die hilft, Berührungsängste abzubauen.“
Nach Feierabend ist Carola Körner gerne in der Natur, zum Beispiel im Stadtwald oder im Dosenmoor. Zu Hause entspannt sie beim Lesen von Kochbüchern. Ihr Lieblingsrezept steht allerdings in keinem: der Nudelauflauf ihrer Mutter, die nur zwei Straßen weiter wohnt. Wenn es nach Carola Körner geht, wird sie nicht die einzige Nachbarin sein, die ab und zu auf einen Kaffee vorbeischaut.
Gut zu wissen:
Logopädie wird ärztlich verordnet und von den Krankenkassen übernommen.
In der Praxis beträgt die Wartezeit derzeit etwa ein Jahr. Carola Körner rät deshalb dazu, sich möglichst frühzeitig Unterstützung zu suchen: „Wenn ein zweijähriges Kind weniger als 50 Wörter spricht oder wenn erste Wortfindungsschwierigkeiten bei älteren Menschen auftreten, sollte man sich gleich bei uns oder in einer anderen Praxis melden.“