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Gesünder wohnen

In manchen Räumen spürt man intuitiv, dass sie einem gut tun. Doch warum ist das so – und wie kann man dieses Wissen für das eigene Zuhause nutzen? Wissenschaftliche Studien belegen, welche Elemente tatsächlich einen Unterschied machen. Einige dieser Erkenntnisse lassen sich ganz einfach umsetzen.

Gesünder wohnen

In manchen Räumen spürt man intuitiv, dass sie einem gut tun. Doch warum ist das so – und wie kann man dieses Wissen für das eigene Zuhause nutzen? Wissenschaftliche Studien belegen, welche Elemente tatsächlich einen Unterschied machen. Einige dieser Erkenntnisse lassen sich ganz einfach umsetzen.

Grün tut gut: Pflanzen machen schlauer und entspannter

Zimmerpflanzen sind mehr als eine hübsche Dekoration. Studien zeigen, dass Pflanzen die Konzentration und Kreativität steigern. Bei einigen Tests lag die Denkleistung um 15 Prozent höher. Das hängt damit zusammen, dass das Gehirn in grüner Umgebung effizienter arbeitet. EEG-Messungen belegen, dass wir weniger Ressourcen für dieselbe Aufgabe benötigen.

Auch die Stimmung profitiert. Ob Monstera, Farn oder Sukkulente – Pflanzen sorgen dafür, dass wir uns entspannter und ausgeglichener fühlen. Wissenschaftler erklären dies mit unserer „Biophilie“: Wir sind von Natur aus einfach dafür gemacht, Grün um uns herum als angenehm zu empfinden. Selbst das Gießen wird so zu einer kleinen Therapie gegen Stress. Wer regelmäßig zur Gießkanne greift, steigert nachweislich sein persönliches Wohlbefinden.

So nutzen Sie Pflanzen optimal:

Teamwork ist alles: Stellen Sie drei bis vier Pflanzen unterschiedlicher Höhen zusammen – das wirkt stärker als einzelne Töpfe in jeder Ecke.

Auf Augenhöhe: Pflanzen in Regalen oder auf Fensterbänken wirken intensiver als Bodenpflanzen in Ecken, da sie vom Gehirn häufiger wahrgenommen werden.

Ab auf den Schreibtisch: Schon eine einzelne Sukkulente oder ein kleiner Farn steiger die Konzentration und das Wohlbefinden.

Große Blattpflanzen als Allrounder: Monstera, Goldfruchtpalme oder Bogenhanf verbessern die Luftqualität und dämpfen durch ihre Blätter sogar leicht den Raumschall.

Besser schlummern: Bogenhanf, Aloe Vera und Yucca-Palme eignen sich ideal fürs Schlafzimmer. Sie produzieren nachts Sauerstoff – im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen, die dies tagsüber tun. Außerdem filtern sie Schadstoffe aus der Luft.

Bäumchen wechsle dich: Pflanzen sollten alle paar Monate neu arrangiert werden, um die positive Wirkung aufrechtzuerhalten.

Naturmaterial senkt Puls und Blutdruck

Das Berühren natürlicher Holzoberflächen aktiviert nachweislich den Parasympathikus, auch Erholungsmodus genannt. Messgeräte zeigen: Blutdruck und Puls sinken, sobald wir von Holz umgeben sind. Erstaunlich sind auch die Ergebnisse aus Kliniken: Patientinnen und Patienten in Zimmern mit Holzelementen wurden schneller gesund und benötigten weniger Schmerzmittel. Wie Grünpflanzen steigert auch Holz die Konzentration und Produktivität. Dies wurde in Klassenzimmern untersucht und bestätigt.

Studien aus Japan und Kanada empfehlen rund 45 Prozent Holzanteil im Raum, dies entspricht etwa der Hälfte der sichtbaren Böden und Möbel. Mehr Holz entspannt
zu stark und macht eher müde. Und Holz kann noch mehr: Es reguliert die Raumluftfeuchte und besitzt antibakterielle Eigenschaften, die zu einer gesünderen Raumluft beitragen.

So bringen Sie mehr Holz ins Zuhause:

Holzboden macht den größten Unterschied: Parkett oder Dielen wirken am stärksten. Falls dies in einer Mietwohnung nicht möglich ist, können sie kleine Akzente setzen, zum Beispiel durch eine Holzmatte im Bad.

Groß denken: Ein Esstisch oder Regal aus Massivholz setzt bereits einen spürbaren Akzent. Nach und nach können Sie dann weitere Holzmöbel ergänzen.

Holz an die Wand bringen: Einzelne Paneele, offene Regale oder eine Bilderwand mit Holzrahmen ergänzen den Holzanteil dezent. Geöltes Holz fühlt sich besser an: Es ist wärmer als Lack, lässt das Holz atmen und wirkt sogar antimikrobiell – perfekt für Tische und Arbeitsplatten.

Klare Sache: Ordnung verringert Stress

Wer kennt es nicht: Die Schubladen quellen über, das Papier stapelt sich und in den Ecken steht zu viel herum. Was zunächst harmlos scheint, hat jedoch weitreichende Konsequenzen für unser Gehirn und unsere Gesundheit. Unser Gehirn liebt nämlich Ordnung und „Singletasking“. Visuelle Ablenkungen durch Chaos verringern unsere Konzentrationsfähigkeit und können auf Dauer sogar eine konstante, niedrigschwellige Kampf-oder-Flucht-Reaktion auslösen. Vor allem bei Frauen in unordentlichen Wohnungen steigen die Cortisolwerte über den ganzen Tag hinweg. Eine mögliche Erklärung: Wenn Frauen Unordnung sehen, beginnen sie oft sofort, aktiv darüber nachzudenken, was als Nächstes zu tun ist. Weniger Chaos sorgt für weniger Gereiztheit, mehr Produktivität, bessere Entscheidungsfähigkeit und sogar besseren Schlaf (Menschen in vollen Schlafzimmern schlafen nachweislich kürzer). Es unterstützt sogar eine gesunde Ernährung, denn chaotische Umgebungen verleiten dazu, mehr ungesunde Snacks zu essen.

Strategien für mehr innere Ruhe:

Nur Flächen freiräumen: Konzentrieren Sie sich auf Tische, Böden und Kommoden – das wirkt sofort beruhigend.

„Landeplätze“ einrichten: Stellen Sie schöne Körbe oder Tabletts für Dinge ohne festen Platz auf und leeren Sie diese einmal pro Woche.

3-Minuten-Timer: Eine kurze Zeitspanne senkt die Hemmschwelle – meist macht man dann trotzdem länger weiter.

Micro-Routinen: Koppel Sie kleine Gewohnheiten miteinander, zum Beispiel „Beim Zähneputzen drei Dinge wegräumen“.

Geschlossene Schränke: Was man nicht sieht, stresst weniger. Verhängen Sie offene Regale mit Vorhängen oder wählen Sie Möbel mit Türen.

„Fertig-genug“-Regel: Definieren Sie vorab das Minimum, dass sie erreichen möchten, zum Beispiel „Der Boden ist frei“. Das sorgt für schnelle Erfolgserlebnisse.

Professionelle Hilfe: Bei chronischer Unordnung können psychologische Themen dahinterstecken. Ein Aufräumcoach oder Therapeut kann individuelle Strategien entwickeln.

Licht und Stille: Was unsere Sinne brauchen

Wer viel Tageslicht in die Wohnung lässt, tut seinem Körper etwas Gutes: Studien zeigen, dass ausreichend helles Licht tagsüber – vor allem morgens – die innere Uhr „vorstellt“ und dafür sorgt, dass wir abends früher müde werden. Je mehr natürliches Licht wir tagsüber abbekommen, desto besser schlafen wir nachts. Abends sollte dagegen bewusst auf gedimmtes, warmes Licht umgestellt werden: Schon normale Wohnzimmerbeleuchtung (etwa 300-400 Lux) kann die Produktion des Schlafhormons Melatonin verzögern und das Einschlafen erschweren. Schlafforscher empfehlen daher, etwa zwei Stunden vor dem Zubettgehen auf sanftes, indirektes Licht mit weniger als 100 Lux zu wechseln, wie es etwa eine gedimmte Leselampe bietet.

Genauso relevant ist die Akustik. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass hallige, schallharte Räume messbar das Stresslevel erhöhen können. Dies spiegelt sich unter anderem in der Herzfrequenzvariabilität wider, die ein objektiver Marker für Stress ist. Doch nicht nur die Raumakustik ist entscheidend: Lärm von außen, zum Beispiel durch Straßenverkehr oder Nachbarn, belastet den Körper noch stärker. Bereits ab einem Geräuschpegel von 40 Dezibel – das entspricht etwa dem einer ruhigen Wohnstraße – kann nächtlicher Lärm die Schlafqualität beeinträchtigen und den Spiegel der Stresshormone erhöhen. Langfristig steigt dadurch sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Teppiche, schwere Vorhänge und Polstermöbel helfen gegen beide Lärmquellen. Sie dämpfen hallenden Innenraum-Schall ebenso wie eindringenden Außenlärm. In gut gedämmten Räumen schlafen wir bis zu 34 Minuten länger und wachen frischer auf.

So nutzen Sie Licht am besten:

  • Tagsüber Vorhänge weit öffnen und den Arbeitsplatz nah ans Fenster rücken, am besten so, dass das Licht von der Seite kommt.
  • Etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen nur noch einzelne Lampen statt der Deckenbeleuchtung nutzen.
  • Warmweiße Leuchtmittel verwenden („2700 K”).
  • Abends auf eine gedimmte Nachttisch- oder Stehlampe umsteigen.
  • Bei Bildschirmen ab Sonnenuntergang den Blaulichtfilter aktivieren.
  • Mehrere kleine, dimmbare Lichtquellen nutzen statt einer hellen Deckenlampe.

So verbessern Sie die Akustik in Ihren Räumen:

  • Teppiche und Läufer auslegen, besonders in Fluren und unter Essplätzen
  • Schwere, mehrlagige Vorhänge statt Rollos aufhängen
  • Gefüllte Bücherregale an den Wänden zur Nachbarwohnung platzieren
  • Textilien wie Kissen, Wolldecken und Wandbehänge großzügig einsetzen
  • Gepolsterte Möbel statt Hartholz- oder Metallstühlen wählen
  • White-Noise-App oder sanfte Hintergrundmusik gegen störende Nachbargeräusche nutzen